Akademischer Protest

Der folgende Text ist ein Auszug der Website des "Akademischen Protests".

Die Initianten des "Akademischer Protest gegen die Entlassung von Prof. Dr. Iris Ritzmann durch die Universität Zürich" äussern sich zur Pressekonferenz der UZH und zum Gutachten von Prof. Dr. Heinrich Koller vom 4. Dezember wie folgt:

1. Prof. Dr. Heinrich Koller hat in der NZZ vom 5. Dez. 2013 betont, dass seine Stellungnahme lediglich eine "Meinungsäusserung" ist. Diese enthält die wichtige Feststellung, dass eine spätere Wiedereinstellung von Frau Prof. Dr. Iris Ritzmann geprüft werden könne. Die Aussagen zur am 29. Oktober 2013 erfolgten Kündigung beruhen allerdings auf einer einseitigen Zusammenstellung von Materialien, die dem nicht abgeschlossenen strafrechtlichen Untersuchungsverfahren entstammen. Die Meinung, die Kündigung von Iris Ritzmann sei rechtlich vertretbar, wird von der Universitätsleitung und von Heinrich Koller nach wie vor mit dem Hinweis auf die Weitergabe vertraulicher Informationen an die Presse begründet. Damit habe sie zur Auslösung des "Fall Mörgeli" mit beigetragen. Dies ist nicht der Fall. Es gilt, folgende Fakten zu beachten:

Erstens hat der Journalist den Beitrag vom 11. September 2012, der den "Fall Mörgeli" auslöste, völlig unabhängig, aufgrund der seit langem bekannten Missstände am Medizinhistorischen Museum, geplant und geschrieben. Die Behauptung, Frau Ritzmann habe irgendetwas "ausgelöst", entspricht nicht den Tatsachen.

Zweitens hat Frau Ritzmann lediglich auf die Anfrage des Journalisten zwei Fehlinformationen der Universität Zürich korrigiert. Zur Frage, wer die vertraulichen Berichte, aus denen der Journalist zitiert, weitergeleitet hat, läuft zur Zeit noch immer das von der Universität ausgelöste Strafverfahren. Es gibt bisher keine Hinweise darauf, dass Frau Ritzmann oder eine andere Person aus dem Medizinhistorischen Institut dies getan haben könnte. Wenn Heinrich Koller feststellt, Frau Ritzmann habe "Informationen aus vertraulichen Berichten" weitergegeben (NZZ vom 5. Dezember 2013), so entbehrt dies einer Grundlage. Es gilt hier vielmehr den Abschluss des Verfahrens abzuwarten. Mit der Feststellung, Frau Ritzmann habe einem Journalisten "ihr Passwort" ausgehändigt, ist nicht verbunden, dass sie ihm Zugang zu vertraulichen Informationen gewährt hat. Es geht hier allein um die Mitteilung der Log-in Daten für das von mehreren Tausend Studierenden (und auch Gästen) der Universität benutzte VAM als Teil von OLAT (Online Learning and Training). Dies kann nicht im Ernst als Kündigungsgrund gewertet werden.

Drittens ist es keinesfalls illoyal, wenn man einem Journalisten mit Freude mitteilt, dass sein zu diesem Zeitpunkt fertig vorliegender Artikel nützlich sei, um Bewegung in eine seit Jahren verfahrene Sache zu bringen. Das Problem ist doch, dass es die Universität über ein Jahrzehnt hinweg versäumt hat, am Medizinhistorischen Museum zum Rechten zu sehen und entsprechende Massnahmen einzuleiten. Alle, die der Universität loyal verbunden sind, mussten erfreut sein, dass dieses Problem nach Jahren des Stillschweigens ins öffentliche Bewusstsein gerückt wurde. Dies nach dem Motto der Zürcher Universität "Durch den Willen des Volkes".

2. Damit haben wir auch schon festgehalten, dass wir die jetzt getroffenen Massnahmen zur Sanierung und zur Positionierung des Medizinhistorischen Museums begrüssen. Es ist wichtig, dass dieses kulturelle Kapital wieder zukunftsträchtig bewirtschaftet wird. Ebenso dringend ist allerdings eine exakte Bestandsaufnahme dessen, was im vergangenen Jahrzehnt stattgefunden hat. Wir hoffen, dass die laufenden Untersuchungen Licht auf den seit den ausgehenden 1990er Jahren festzustellenden Niedergang dieses traditionsreichen Instituts und Museums werfen werden.

3. Die Unterzeichner des Akademischen Protests sind auch erfreut, dass die Universität das Problem des Datenschutzes ernst zu nehmen gewillt ist. Durch die willfährige Auslieferung von persönlichen Daten ohne die Information der Betroffenen ist jenes Vertrauen zerstört worden, das für ein gutes Funktionieren von Forschung und Lehre wichtig ist. Die jetzt getroffenen Massnahmen und die Kommunikation darüber sind ein wichtiger Schritt zu dessen Wiederherstellung.

Es bleibt festzuhalten, dass unsere wichtigste Empfehlung - die Rücknahme der Kündigung von Iris Ritzmann - noch keine angemessene Beurteilung erfahren hat und dass der Protest daher anhält. Wir sind weiterhin bereit zu Gesprächen mit der Universitätsleitung, um die unter Punkt 1 geäusserte Kritik im offenen Austausch zu begründen und einen Beitrag zur Stabilisierung und Entwicklung des Medizinhistorischen Instituts und Museums zu leisten.

Prof. Dr. Vincent Barras (Université de Lausanne)

Prof. Dr. Elisabeth Dietrich-Daum (Universität Innsbruck)

Prof. Dr. Monika Dommann (Universität Zürich)

Prof. Dr. Heiner Fangerau (Universität Ulm)

Prof. Dr. Philipp Sarasin (Universität Zürich)

Prof. Dr. Dr. Hubert Steinke (Universität Bern)

Prof. Dr. Jakob Tanner (Universität Zürich)

Prof. Dr. Philip Ursprung (ETH Zürich)

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